Lightroom CC oder Capture One Pro 10 ?

Genau wie viele andere vor mir, stand ich auch vor dieser Frage. Lightroom von Adobe benutze ich seit meinem Wechsel von Aperture zu Lightroom, also seit Jahren. Die meisten Funktionen beherrsche ich nach wie vor blind. Also warum überhaupt erst an einen Wechsel denken? Die Antwort kommt fast wie immer von einem Impuls von jemand anderem. In diesem Fall war es Robert Kneschke der in seinem Beitrag zu Capture One die besseren Hauttöne erwähnte.  Wie ich halt so bin, hat mich die Neugier gepackt. Zu meinem Glück gab es eine Kostenlose 30 Tage Testversion, dich ich auch sofort nutzte.

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Die große Enttäuschung

Ich denke zum Installationsprozess brauch ich nicht viel zu berichten…. Ja da war es nun. Und ich war enttäuscht! Ich hatte noch kein einziges Bild geladen und war schon überfordert. Die Oberfläche wirkt mal so gar nicht intuitiv und von den Funktionen hatte ich keine Ahnung. Was ist der Unterschied zwischen Katalog und Sitzung? Wo finde ich meine Regler? Es war grausam, also blieb mir wohl nichts anderes als Lesen übrig. Ja, ich bin hartnäckig 😉

Ich kaufte mir ein Buch vom Rheinwerk Verlag, das ich euch sehr empfehlen kann wenn ihr euch ernsthaft mit Capture One auseinander setzt.

Man kann es beim Verlag selber auch als PDF kaufen, so hab ich es gemacht. Nach und nach lernte ich also Capture One zu bedienen.  Das Ergebnis? Es war in der Tat ein sehr guter RAW Konverter. Aber auch Capture One hat so seine Schattenseiten. Die Grundlagen zur Bedienung werde ich in diesem Artikel mal überspringen, da er sonst eher einem Buch gleichen würde. Aber auf ein paar grundlegende Sachen würde ich dennoch gerne eingehen…..

Sitzung oder Katalog?

Das war die erste Frage die sich mir stellte. Ich entschied mich für die Sitzung. Aber warum? Wer von Lightroom kommt wird sich wahrscheinlich mit dem Katalog erstmal am vertrautesten fühlen. Man hat eine Datenbank in der der komplette Bildbestand verwaltet wird. Das war auch zuerst mein erster Gedanke, aber ich war neugierig und entschied mich für die Sitzung. Das ist so eine Art Mini-Katalog mit vier Ordnern die pro Sitzung erstellt werden (Aufnahmeordner, Auswahlordner, Output und Papierkorb). Wenn man nun Bilder importiert, landen diese zunächst im Aufnahmeordner. Den könnte man auch als überwachten Ordner einrichten und Capture One importiert dann automatisch. Im Aufnahmeordner fängt man dann an die Bilder zu  sortieren. Hier hat Lightroom, meiner Meinung nach, mit den Fähnchen die Nase vorn. Leider gibt es in Capture One nur Sternebewertung und Farbmarkierungen. Für mich persönlich habe ich das Problem so gelöst:

Ich schiebe die Bilder per Shortcut entweder in den Auswahlordener oder in den Papierkorb, je nachdem ob ich ein Bild behalten möchte oder nicht. Die Shortcuts sind Strg+J für den Auswahlordner und Strg+Entf für den Papierkorb. Damit lässt sich dann doch recht schnell aussortieren. Ich habe mir zusätzlich noch die zwei Shortcuts auf mein Wacom Intuos gelegt und mit Ja/Nein beschriftet.

So wieder zurück zum Warum! Für mich war die Sitzung einfach logischer, da ich hauptsächlich auf Auftrag arbeite. Wenn ich an einem Auftrag sitze, dann arbeite ich auch nur an diesem. Es wäre also völlig unnötig den kompletten Bildbestand von mir zu Laden. Für die Rechenleistung vom Rechner ist es ebenfalls sehr förderlich. Gefühlt läuft alles dadurch sehr sehr flüssig und sauber. Hat so eine Sitzung denn auch Nachteile? Na klar, wenn ich beispielsweise ein Portfolio meiner besten Bilder erstellen möchte muss ich erst alle Sitzungen nach diesen durchwühlen, was Zeit kostet. Da ich das aber selten mache nehme ich diesen Nachteil einfach in Kauf.

Die Oberfläche

Hier war für mich die Größte Umstellung zu Lightroom. Keine Module mehr, nur noch Symbole, viele Leisten an verschiedenen Stellen usw. Ich brauchte echt ein paar Tage um meinen Weg zu finden. Das schöne bei Capture One war aber, dass ich eben diesen Weg selber gestalten kann. Die ganzen Menü´s und Funktionen kann man nämlich selber gestalten und so seinem eigenen Workflow anpassen. Wer das einmal verstanden hat, der kann seinen Workflow gut beschleunigen. Auch bietet Capture One hier Tools, wie z.B. die Schärfemaske. Sie überlagert in jedem Bild die scharfen Bereiche mit leuchtend grüner Farbe. So kann ich, ohne in das Bild zoomen zu müssen, die Bilder mit Fehlfokus aussortieren. Das spart ne Menge Zeit. Die dunkle Gestaltung von Capture One empfinde ich als sehr angenehm zum Arbeiten, die kann man aber auch in Lightroom so einstellen.

Wie ich meine Oberfläche und meinen Workflow aufgebaut habe und vor allem warum werde ich in einem späteren Beitrag gerne erläutern. Ich weiß gar nicht wieviel Zeit ich schon im Netz, auf der Suche nach dem Idealen Workflow, verbracht habe. Ich denke mittlerweile habe ich für mich die beste Möglichkeit gefunden.

Die RAW Entwicklung

Wenn man die Oberfläche erstmal verstanden hat, klappt die RAW Entwicklung eigentlich sehr gut. Was mir an Capture One sehr gut gefällt, ist die Möglichkeit die Hauttöne zu steuern. Man kann diese über Regler angleichen, im Farbton oder der Sättigung selektiv anpassen oder angleichen, sodass ein homogeneres Hautbild entsteht. Auch die Möglichkeit die Regler per Mausrad zu steuern ist echt genial. Einfach mit der Maus über den entsprechenden Wert fahren und dann das Mausrad drehen und das Bild anpassen.  Auf einen heißgeliebten Regler muss man aber leider verzichten, “Dunst entfernen” gibt es leider nicht. Das ist der erste richtige Minuspunkt für Capture One.

Die meisten Regler verhalten sich recht ähnlich, ich denke so Sachen wie Weißabgleich und Co. können beide Programme gleich gut. Beim Schärfen allerdings kam dann wieder ein AHA-Effekt. Das Schärfen in Capture One ist dem von Lightroom eindeutig überlegen. Selbst wenn ich den Regler richtig hochdrehe, wirkt das Bild in den meisten Fällen nicht überschärft. Zusätzlich gibt es noch eine Lichthofunterdrückung. Ihr kennt bestimmt das Phänomen eines überschärften Bildes bei dem sich so eine Lichtkante bildet? Diese kann man in Capture One bis zu einem bestimmten Grad entfernen bzw. reduzieren. Der Fairness halber muss man aber sagen, dass sich dieser Vorteil bei einer vernünftigen Grundschärfe relativiert.

Im Bereich der Farblook Entwicklung, finde ich persönlich, hat Capture One die Nase vorn. Ich mag einfach diese Farbkreise als Regler. Erst recht mit der Mausradbedienung. Man kann ganz simpel die Schatten, Mitteltöne und Spitzlichter einfärben. Praktischerweise ist die Komplementärfarbe immer gegenüber und man bekommt ein harmonisches Bild. Bei allen anderen Sachen sind, denke ich, beide Programme gleichauf. Beide machen ihre Arbeit beim entrauschen gut und beide können verschiedene Varianten eines Bildes erzeugen. Die Funktion des automatischen Ausrichtens und geradesetzen bleibt aber den Lightroom Nutzern vorbehalten. In Capture One geht das nur von Hand.

Das Bild ist fertig, und nun?

Irgendwann kommt dann der Zeitpunkt an dem ein Bild fertig entwickelt ist. Die meisten von euch werden dann wohl entweder in JPEG oder TIFF exportieren. Hier gibt es wieder keine grundlegenden Unterschiede zwischen beiden Programmen, nur die Bedienung ist halt anders. Anders sieht es aus, wenn man seine Bilder auf Papier bringen möchte. Das sind bisher die Momente in denen ich mich nach der Funktionsvielfalt von Lightroom sehne. Es ist nicht so das man mit Capture One nicht drucken könnte, aber eben anders. Und in diesem Fall gefällt mir persönlich “anders” einfach besser.

Auch sucht man in Capture One vergebens nach Funktionen wie Fotobücher erstellen oder Slideshows rendern. Es gibt nur eine rudimentäre Galerie in Form eines Kontaktabzuges. Capture One konzentriert sich halt mehr auf die Bildverarbeitung in der RAW Umgebung. Das wirkt sich natürlich positiv auf die Geschwindigkeit aus. Die Übergabe an Photoshop funktioniert hervorragend, ich habe mich für eine Weitergabe als TIFF entschieden, da ich beim Format eher offen bleiben wollte. PSD ist natürlich problemlos möglich.

Mein Fazit

Als erstes haben wohl beide Programme ihre Vor- und Nachteile, die ich ja schon geschildert habe. Wie bei vielen Sachen ist es wohl eine Frage des persönlichen Geschmacks und des Einsatzzweckes. Ich möchte mit meinen Fotos Geld verdienen und daher ist nun mal die Qualität der Bilder entscheidend. So viel meine Wahl auf Capture One. Ich finde, dass ich Farben viel differenzierter und genauer steuern kann. Und das Schärfen ist und bleibt der Wahnsinn. Dennoch vermisse ich auch einige Funktionen aus Lightroom, hoffe aber das Phase One dies irgendwann mal nachliefert. Natürlich ist Lightroom sehr verbreitet und man wird von Presets und Plugins ja regelrecht erschlagen, in der Menge habe ich für Capture One leider keine gefunden. Man muss halt nochmal selber Hand anlegen. Der Preis spielt für viele natürlich auch eine Rolle, hier kann Lightroom wieder Punkten. Alles in allem hat sich mein Workflow aber kein bisschen verschlechtert, eigentlich im Gegenteil. Einmal eingearbeitet lief es teils sogar schneller. Ich hoffe ich konnte dem ein oder anderen die Entscheidung etwas erleichtern…

Vielen Dank fürs lesen!

 

Nachtrag: Da mich dir Frage erreicht hat wie der Preis von beiden Programmen ist, habe ich mal recherchiert.

Aktuell kostet Lightroom in der Kaufversion 109€ Netto, Capture One kostet aktuell 279€ Netto. Hierbei muss aber gesagt werden das es sich bei Capture One um eine 3-Platz Lizenz handelt. In der Abo Version kostet Lightroom 9,99€/Monat Netto und Capture One 20€/Monat für die 3-Platz Lizenz. Nutzer von Sony Kameras können eine spezielle Sony-2-Platz Version für 50€ Netto erwerben

 

 

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